Auszeichnung des Ambulanten Hospizdienstes

Dagmar Neukirch (MdL, SPD)
19.07.2012 19:00
Kategorie: andere (regionale) Themen

Auszeichnung des Ambulanten Hospizdienstes Dohna/Heidenau des Johanniter-Seniorenheims Heidenau GmbH durch den Verband der Ersatzkrankenkassen Landesverband Sachsen "Wer vom Sterben nichts weiß, weiß nichts vom Leben." Diese Weisheit ist sehr alt und dennoch sehr aktuell. 

War und ist das Sterben doch ein Thema, das schnell an Institutionen (Krankenhäuser, Pflegeheime) und an Spezialisten delegiert wurde und aus dem Alltag vieler Menschen verbannt, sogar eher zurückgehalten und versteckt worden ist.

Seit 1990 arbeitet eine sehr aktive Hospizbewegung auch in Sachsen, um Menschen ein würdevolles Sterben zu Hause zu ermöglichen. Viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer - die meisten sind Frauen - begleiten sterbende Menschen und ihre Angehörige in dieser schweren Zeit, geben ihnen Sicherheit, nehmen Ängste, kümmern sich um notwendige Dinge, für die viele in einer solchen Situation gar keine Kraft mehr aufbringen können.

Diese Menschen, diese Helfer in den ambulanten Hospizdiensten, helfen nicht nur den einzelnen sterbenden, sie helfen der Gesellschaft dabei, sich das Sterben wieder zurückzuholen, mit den Sterbenden zu leben und dadurch zu gewinnen. In Sachsen arbeiten derzeit 95 Einrichtungen, Institutionen oder eben ambulante Dienste in einem mittlerweile sehr breiten und auch spezialisierten Netzwerk der Hospiz- und Palliativversorgung. 2010 wurden fast 1000 Menschen in einem stationären Hospiz begleitet, mehr als 2100 von einem ambulanten Pflegedienst. Die Bedarfe steigen. Die Nachfrage ist groß. Was aus oben genannter Sicht des Umgangs mit den Sterbenden und dem Sterben positiv ist, stellt für die Versorgung eine große Herausforderung dar. Sachsen hat seit 2001 mit einer Hospiz- und Palliativkonzeption den Prozess des Aufbaus der Dienste gesteuert und das Netz - sowohl der ehrenamtlichen als auch der spezialisierten Dienste ausgebaut. Gemeinsam mit den Krankenkassen und den Kommunen finanziert das Land über eine Förderrichtlinie insbesondere die Sachkosten der ambulanten Hospizdienste.

Mit einer Haushaltsentscheidung im Jahr 2010 wurden die Landeszuschüsse jedoch erheblich gekürzt, was zur Folge hatte, dass auch auf kommunaler Ebene Einsparungen vorgenommen worden. So stellte das Land 2010 nur noch insgesamt 350 000 Euro statt der 600 000 Euro im Jahr 2009 zur Verfügung. Im Jahr 2011 dann wurden bis August des Jahres nur noch 135 000 Euro ausgezahlt.Viele ehrenamtlich arbeitende Vereine waren von heute auf morgen von einer enormen Kürzung betroffen, was viele nur durch äußerstes Sparen und manche auch unter Verlust von Ehrenamtlichen irgendwie ausgleichen konnten. Pro Hospizdienst stehen zwischen 6 000 und 14 000 Euro für Sachkosten zur Verfügung.Wie wichtig die Landesfinanzierung für den Erhalt einer gesellschaftlich wichtigen Hilfestruktur ist, zeigt auch das Beispiel hier in Heidenau. Gerade in ländlichen Regionen sind die Aufwendungen, die Fahrtkosten für die rund-um-die-Uhr arbeitenden Vereine sehr hoch, weil Fahrtwege länger und Erreichbarkeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln eingeschränkt sind. Auch der Träger erhielt 2010 2000 Euro weniger Landesförderung.

Jedoch sind die in dem Bereich aktiven Menschen nicht so, dass sie lamentieren und sich beschweren. Sie machen ihre Arbeit aus Überzeugung und ohne großes Tamtam. Sie benötigen daher Unterstützung, Öffentlichkeit und darüber hinaus Interesse bei den Menschen.Deshalb bin ich sehr froh über die Initiative des VdeK, weil es auch weit über das hinausgeht, wofür eine Krankenkasse zuständig ist. Das Beispiel des Hospizdienstes der Johanniter in Heidenau soll auf das Thema aufmerksam und anderen Mut machen machen.